Jobexpertin für „Bild am Sonntag“

Was tue ich gegen Schüchternheit?

Sicher und selbstbewusst zu wirken kann man trainieren. Zum Beispiel indem man übt, fremde Menschen anzusprechen, ob sie Geld wechseln können oder im Laden etwas umzutauschen. So macht man die Erfahrung: Ich kann das! Die Übungen sollte man wiederholen und die Dosis steigern.

Führen Sie ein Erfolgstagebuch, in dem Sie einmal wöchentlich notieren, wo Sie sich getraut haben, etwas zu verlangen oder sich durchzusetzen. So erinnern Sie sich an Ihre Erfolge. Das ermutigt und ermöglicht einen neuen Blick auf sich selbst.

Verbannen Sie bei Misserfolgen den Gedanken: Das liegt an mir. Setzen Sie ein positives kurzes Mantra dagegen, etwa wie: Ich bin ganz ruhig und vorbereitet.

Wichtig ist es, freundlich zu sich selbst zu sein. Strategien für einen selbstbewussten Auftritt zu lernen und zu verinnerlichen ist ein langer Weg. Darum sollten Sie sich auch nie mit anderen vergleichen, sondern nur an sich selbst messen.

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Muss ich meinem Chef Weihnachtsgrüße senden, wenn ja, reicht eine Mail?

Nein, üblicherweise werden in der Firma gute Wünsche für die Festtage persönlich mitgeteilt. Man sieht sich schließlich täglich. Eine gute Gelegenheit, dem Chef frohe Weihnachten zu wünschen, ist die Weihnachtsfeier. Es gibt aber Ausnahmen, wo eine Karte angebracht ist.

Wenn etwas Besonderes im Laufe des Jahres passiert ist, beispielsweise wenn Ihr Chef sich besonders für Sie eingesetzt hat. Dann sind schriftliche Weihnachtsgrüße mit einem persönlichem Dank angebracht. Aber bitte immer als Weihnachtskarte, nicht als E-Mail – das ist persönlicher.

Eine weitere Ausnahme wäre, wenn Sie schon seit Jahren Ihrem Chef Karten geschickt haben. Dann sollten Sie das Ritual beibehalten, sonst könnte Ihr Chef hinter dem Ausbleiben eine negative Botschaft vermuten.

Abwesenheit ist die dritte Ausnahme. Etwa wenn Sie im Homeoffice arbeiten, in Elternzeit oder krank sind.

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Kann ich verlangen, dass mein Chef eine Klimaanlage einbaut, wenn es heiß wird?

„Nein, Ihr Arbeitgeber ist nicht verpflichtet eine Klimaanlage einzubauen“, sagt Job-Coach Meike Müller. Aber Sie sollten ihm sagen, wenn die Temperaturen im Büro unerträglich sind. Wichtig: keine Vorwürfe machen, Ihr Chef kann ja auch nichts für die Hitze. Besser sind Vorschläge, wie das Arbeiten angenehmer gestaltet werden kann.

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Darf ich in die Sonne, wenn ich krank geschrieben bin?

„Das hängt von der Krankheit ab“, sagt Job-Coach Meike Müller. „Bei einem Burn-out kann es die Genesung fördern und darum in Ordnung sein. Bei einer fiebrigen Sommergrippe macht man sich aber unglaubwürdig. Am besten dem Chef gegenüber offen sagen: Ich gehe auch mal raus in die Sonne, denn der Arzt hat viel frische Luft empfohlen.“

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Wie lobe ich mich im Job, ohne dass es doof wirkt?

Um im Job durchzustarten, reicht es nicht, gut zu sein. Man muss auch dafür sorgen, dass andere das merken. Sonst ziehen die Kollegen womöglich an Ihnen vorbei. Viele Menschen befürchten, arrogant zu wirken, wenn sie sich selbst loben. Aber dabei geht es nicht darum, ständig allen zu erzählen, wie toll und genial man ist.

Ziel ist vielmehr, in besonderen Situationen wie im Mitarbeitergespräch, der Bewerbung oder in der Arbeitsbesprechung mit dem Vorgesetzten die eigenen Vorzüge und Kompetenzen benennen zu können.

Als Methode ist das „Storytelling“ sehr geeignet: Sagen Sie also nicht einfach, dass Sie hartnäckig, überzeugend, verhandlungsstark etc. sind. Sondern berichten Sie an konkreten Beispielen, wie es Ihnen z. B. gelungen ist, den Kunden doch noch zu überzeugen, wie Sie die schwierige Situation gelöst oder ein Projekt entscheidend nach vorn gebracht haben.

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Wie kann ich ungeliebten Kollegen aus dem Weg gehen?

Bei Arbeitskollegen ist es wie bei Verwandten: Man kann sie sich nicht aussuchen. Wenn die Chemie nicht stimmt, sollte nach einer zwischenmenschlichen Lösung gesucht werden.

Ich empfehle zwei Wege: Schreiben Sie positive Eigenschaften auf, für die Sie Ihren Kollegen schätzen. Das kann etwa sein gutes Organisationstalent sein oder seine nötige Ruhe in Stresssituation.

Jedes Mal, wenn Sie ihm gegenübertreten, rufen Sie sich diese Fähigkeiten ins Gedächtnis. Das entschärft die innere Haltung und in der Regel entspannt sich die Situation dann automatisch. Hilft das nicht, können Sie immer noch mit Ihrem Vorgesetzten sprechen, ob es möglich wäre, das Büro oder den Aufgabenbereich zu wechseln.

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Wie lehne ich das Angebot meines Chefs zum Duzen höflich ab?

Das ist eine sehr heikle Situation. Auf jeden Fall sollten Sie sich erst einmal für das Angebot bedanken („Ich weiß das sehr zu schätzen“), denn es ist ein Zeichen von Sympathie und Ausdruck des Vertrauens. Danach würde ich bei der Wahrheit bleiben und etwa erklären, dass eine solche Vereinbarung in der Vergangenheit bereits schiefgelaufen sei, Ihnen diese Form der Anrede zu nah ist oder Sie befürchten, Kollegen könnten denken, Sie werden bevorzugt. Dadurch kann nämlich tatsächlich die Stimmung im Team kippen. Eine weitere Begründung kann auch sein, dass beim Duzen die Rollenverteilung und Hierarchien im Unternehmen verschwimmen, dabei Privatleben und Berufl iches schwer abzugrenzen sind, Sie sich aber voll und ganz auf den Job konzentrieren wollen.

Download des Original-Artikels aus Bild am Sonntag, Ausgabe vom 5.4.2015 (PDF, 218 KB)

 

Mein Chef ruft mich immer am Wochenende an, was kann ich tun?

Rechtlich gesehen darf sich ein Arbeitgeber zwar am Wochenende bei Ihnen melden, Sie müssen aber nicht darauf reagieren. Suchen Sie am besten während der Woche das Gespräch unter vier Augen, damit Sie erklären können, dass auch Sie Ihre Erholung brauchen, um im Job die nötige Konzentration aufzubringen. Es wird auch im Sinne des Vorgesetzten sein, dass Sie montags mit voller Energie wieder zur Arbeit kommen. Mein Tipp: Protokollieren Sie die Wochenendanrufe und E-Mails, damit Sie Ihr Anliegen mit Fakten belegen können. Betonen Sie außerdem, dass Sie selbstverständlich in Ausnahmefällen zu erreichen sind, das sollte allerdings ein Sonderfall bleiben.

Download des Original-Artikels aus Bild am Sonntag, Ausgabe vom 29.3.2015 (PDF, 200 KB)

 

 

Mein Chef macht mich vor allen fertig. Wie wehre ich mich, ohne als Zicke darzustehen?

Wenn Ihr Chef Sie vor versammelter Mannschaft angeht, stellen Sie ihn auf keinen Fall vor den Kollegen zur Rede. Er würde fürchten müssen, sein Gesicht zu verlieren und dann sicher auf Angriff gehen. Bitten Sie ihn um ein Gespräch unter vier Augen. Beginnen Sie das Gespräch mit etwas Positivem, das hilft dem Gegenüber, die dann folgende Kritik anzunehmen.

Machen Sie keine Vorwürfe, formulieren Sie Ich-Botschaften, wie: ,Bei mir ist es so angekommen, dass . . .‘ Zählen Sie dann konkrete Situationen auf, die nicht zu weit zurückliegen.

Fragen Sie, ob Ihr Eindruck richtig ist und sagen Sie klar, dass Sie sich künftig wünschen, dass er deutlich sagt, wenn ihn etwas stört.

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Wie passt eine Giraffe in den Kühlschrank?

Na, das ist doch einfach: Tür öffnen, Giraffe hineinstecken, Tür schließen.

Ganz so leicht ist es dann doch nicht. Fragen dieser Art kommen neuerdings immer öfter im Bewerbungsgespräch vor. Damit will der Arbeitgeber testen, wie spontan, humorvoll und locker Sie mit dem ungewöhnlichen Problem umgehen.

Meike Müller (48) ist Job-Coach und weiß: „Eine richtige Antwort wird dabei nicht erwartet. Der entscheidende Fakt ist eher die Symphathieebene, die im Gespräch entstehen sollte.“ Denn die Grundvoraussetzungen, weshalb Sie zum Gespräch eingeladen worden sind, erfüllen Sie bereits. Ihr Zeugnis und das Anschreiben haben überzeugt, nun ist Ihre Persönlichkeit gefragt.

Doch wie kontert  man clever auf Giraffen-Rätsel? „Erzählen Sie ehrlich, was in Ihrem Kopf vorgeht, lachen Sie über die Fragen oder machen Sie ein Kompliment wie etwa: Donnerwetter, das ist eine tolle Frage, die habe ich mir noch nie gestellt. Wie sind Sie denn  darauf gekommen?“, rät die Expertin. Spielen Sie also den Ball zurück oder weichen Sie der Frage aus, indem Sie vom letzten Zoobesuch oder einer Safaritour erzählen, bei der Sie eine Giraffe gesehen haben. „Wichtig ist, dass der Bewerber authentisch bleibt. Wie nagelt man einen Pudding an die Wand oder wie viele Bälle passen in einen Raum, sind lediglich kleine Verwirrstrategien. Sie schaffen eine persönliche Atmosphäre und zeigen, ob Sie und Ihr zukünftiger Arbeitgeber gleich ticken“. Und wie viele Basketbälle passen nun in diesen Raum? Das kommt darauf an, ob sie aufgepumpt sind oder nicht …

 

Download des Original-Artikels aus Bild am Sonntag, Ausgabe vom 11.01.2015 (PDF, 248 KB)

 

Ich hab vor meinem Chef geheult, und er hat mich ausgelacht. Wie verhalte ich mich jetzt?

Das Verhalten Ihres Chefs zeigt eine große soziale Inkompetenz. Ein Vorgesetzter hat eine Fürsorgepflicht und muss einen Gefühlsausbruch ernst nehmen. Schließlich kann ja was Grundsätzliches im Team falsch gelaufen sein.

Sie sollten sich erst beruhigen und dann Ihren Chef um eine klärendes Gespräch unter vier Augen bitten.

Gehen Sie in drei Schritten vor:

  1. Schildern Sie ihm sachlich die Situation, die zu Ihrem Ausbruch geführt hat. Erklären Sie, wie Sie sich gefühlt haben. Waren Sie traurig, sauer, enttäuscht? Hatten Sie Probleme oder waren überlastet?
  2. Sagen Sie ihm, was Sie sich in Zukunft von ihm wünschen. Machen Sie ihm klar, dass Sie ernst genommen werden möchten.
  3. Sollte das Gespräch nichts bringen, wenden Sie sich an den nächsten Vorgesetzten oder den Betriebsrat.

 

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Ich langweile mich im Job nur noch. Was kann ich tun?

Sie sollten das Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten suchen. Gibt es vielleicht eine andere Stelle im Unternehmen, wo Sie Ihre Fähigkeiten besser einsetzen können? Um herauszufinden, was Sie wollen, überlegen Sie: Wofür werde ich häufig gelobt? Was liegt mir? Stellen Sie diese Punkte im Gespräch mit dem Chef heraus. Eine weitere Möglichkeit, um seine Kompetenzen und damit seine Einsatzmöglichkeiten zu erweitern, ist eine Weiterbildung.

Wenn Sie glauben, dass Sie Ihre Zeit generell anders nutzen sollten, können Sie auch Ihre Stundenzahl im Job verringern, um außerhalb in einer Firma zu arbeiten, wo Ihre Fähigkeiten mehr gefragt sind. Allerletzter Ausweg wäre, den Job zu kündigen – aber bitte erst, wenn Sie genau wissen, wie es danach weitergehen soll.

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Meine Kollegin drückt sich ständig vor Arbeit. Was kann ich tun?

Sprechen Sie sie zunächst unter vier Augen an. Und zwar je früher, desto besser, denn aus einem kleinen Konflikt wird schnell ein großer.

Formulieren Sie klare Ich-Botschaften, wie „Mir ist aufgefallen, dass…“, „Bei mir kommt es so an, als würde…“ Oft denkt derjenige dann zum ersten Mal darüber nach, was sein Verhalten bei anderen anrichtet.

Vermeiden Sie unbedingt Vorwürfe, wie „Nie erledigst du deine Aufgaben…“ Dann macht der Betroffene sofort dicht. Belegen Sie Ihre Beobachtungen mit konkreten Daten und Fakten, damit sich Ihr Gegenüber nicht rausreden kann. Sagen Sie freundlich, aber klipp und klar, was Sie künftig von der Kollegin erwarten.

Wenn sich dann immer noch nichts ändert, bitten Sie Ihren Vorgesetzten zu einem gemeinsamen Gespräch dazu. Er hat eine Fürsorgepflicht, und muss sicherstellen, dass es im Team gut läuft.

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Ist es klug, dem Chef zu sagen, dass ich einen Fehler gemacht habe?

Wenn Sie sich einen richtigen Klopper geleistet haben, sollten Sie es unbedingt Ihrem Chef sagen. Das gilt besonders, wenn der Fehler Folgen für das Team oder die Abteilung hat. Sie sollten aber keine Büßerhaltung einnehmen, wenn Sie Ihren Chef um ein Gespräch bitten. Besser ist es, sachlich zu sagen, was passiert ist. Damit zeigen Sie, dass Sie ehrlich sind und Verantwortung übernehmen. Am besten machen Sie Vorschläge, wie der Fehler ausgebügelt werden kann. Das zeigt, dass Sie sich Gedanken gemacht haben und eine Lösung suchen. Wenn es nur ein kleines Missgeschick war, das Ihnen unterlaufen ist, sollten Sie sich gut überlegen, ob Sie Ihren Vorgesetzten damit behelligen. Der Chef könnte sonst genervt reagieren.

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Was kann ich dagegen tun, dass ich immer Letzter im Büro bin?

Das hat meist mit einem schlechten Zeitmanagement zu tun. Am besten planen Sie am Ende eines Arbeitstages die Aufgaben für den nächsten Tag. So hat man am Feierabend den Kopf frei. Wichtig ist es, die Länge der jeweiligen Aufgaben richtig einzuschätzen.

Hier räumen sich die meisten zu wenig Zeit ein und packen sich den Tag zu voll. Als Faustregel gilt: Verplanen Sie nur 60 Prozent des Arbeitstages. Die übrigen 40 Prozent lassen Sie als Pufferzone frei. Entscheiden Sie zudem, was wirklich wichtig ist, und was sofort erledigt werden muss. Diese Aufgaben haben Priorität.

Auch das können Sie am Vortag festlegen. Damit Ihr Plan aufgeht, schützen Sie sich vor Zeitdieben. Gehen Sie nicht dauernd ans Telefon, sondern schalten Sie den Anrufbeantworter ein oder bitten Sie Kollegen, Ihr Telefon zu übernehmen, wenn Sie an einer wichtigen Aufgabe sitzen.

Häufig steckt auch „Aufschieberitis“ hinter unerledigter Arbeit. Hier hilft es, sich eine Frist zu setzen, auch wenn die Aufgabe noch länger Zeit hätte. So arbeitet man viel zielgerichteter.

Wichtig zudem: Geben Sie sich die Erlaubnis, Nein zu sagen, wenn Kollegen bitten „Kannst du mal eben …“. So werden Sie nicht mit zusätzlicher Arbeit überhäuft, und Sie zeigen Profil. Rechtfertigen Sie sich nicht für ein Nein, begründen Sie nur knapp, warum Sie nicht noch eine Aufgabe übernehmen können.

Diese Strategien klappen aber nicht von heute auf morgen, man muss sie trainieren. Seien Sie darum nicht zu streng mit sich, wenn es mal nicht mit dem rechtzeitigen Feierabend klappt.

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Kann mir ein Headhunter bei der Jobsuche helfen?

„Headhunter werden in der Regel von den Unternehmen beauftragt, um neue Köpfe anzuwerben, nicht aber von Jobsuchenden. Wenn Sie aktiv werden wollen, können Sie sich an Personalvermittlungsagenturen oder einen Job-Coach wenden. Zunächst sollten Sie Ihr Potenzial kennen und Ihr Profil klar herausarbeiten.

Überlegen Sie: Was habe ich anzubieten, welchen Mehrwert kann ich einem Unternehmen bieten? Und zu welcher Firma könnten Sie passen?

Schreiben Sie dann eine Initiativbewerbung. Dabei nicht als Bittsteller, sondern selbstbewusst auftreten.“

Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) wurden 2013 zwölf Prozent aller Stellen über Initiativbewerbungen und private Job-Vermittler besetzt.

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