Berliner Vorweihnachtszeit

Ich wundere mich. Über diese merkwürdig veränderte Stadt.  Mit diesen an allen Enden und Ecken herausschießenden, mehr oder weniger grünen Gewächsen mit blinkenden Lichterketten und Kugeln. Angeblich soll bald Weihnachten sein, munkelt man. Hallo? Wer glaubt das denn? Das war doch gerade erst, und zwar gefühlt gestern. Mit anderen Worten: Time is a jetplane!

Apropos „time“: Davon scheint ja insgesamt nicht mehr allzu viel da zu sein. Die Menschen benehmen sich, als gäbe es kein Morgen. Mehr noch: Kein nächstes Jahr. Seinen Ausdruck findet das seit Anfang Dezember in überhöhter Geschwindigkeit. Menschen rennen, hupen, schubsen, drängeln. Und zwar mich, die ich noch nicht einmal bereit dazu  bin, die Kiste mit der Weihnachtsdekoration aus dem Keller zu holen.

Ich möchte dringend weg davon, hektisch mit rennen zu müssen. Im Einkaufszentrum, in der Bahn, im Straßenverkehr. Ich möchte nicht gedrängelt werden! Bei  gar nichts! Nur: Einmauern kann ich mich schlecht. Das Haus verlassen müsste ich schon hin und wieder.  Was tun? Ich hab es zur Vorsicht mal in meinem eigenen Buch nachgelesen:

„Anstatt Erwartungen zu äußern, neigen manche Menschen dazu zu sagen, was sie nicht möchten. (…) Es wird nur gesagt, was das Ziel nicht ist bzw. sein sollte, aber es fehlt die konkrete Aussage, was stattdessen angestrebt wird. Und solange die fehlt, muss man sich nicht wundern, dass sich gar nichts ändert – oder aber in eine andere, nicht gewünschte Richtung.“ (Du bist großartig, S. 113)

Aha. Da haben wir es also zu tun mit der Strategie „Hin-zu statt Weg-von“. Wo möchte ich also hin? Was ist mein Ziel? Hin zu mehr Ruhe, Muße und Genuss, das ist es.  Hier habe ich doch noch irgendwo das Rezept für selbstgemachten Glühwein? Gute Idee. Nelken, Zimt, Orangen und Amaretto habe ich auch noch im Haus. Und wie ich da so sitze, mit dem ersten Glas leckerstem Glühwein der Saison, werfe ich einen Blick zurück.

Was war los in diesem Jahr, was war schön und beglückend? Was war weniger gut, was möchte ich hinter mir lassen? Was hat mich berührt, bewegt und weiter gebracht? Während ich das Jahr und die vielen Momente, Erlebnisse und Erfahrungen Revue passieren lasse,  sehe ich die hübschen Lichter im Fenster meines Nachbarn. Warm und gemütlich. Ich glaube, ich hole gleich mal die Kiste mit meinen Fensterlichtern aus dem Keller.

Eine leuchtende Vorweihnachtszeit wünscht Ihnen

Ihre Meike Müller.