Wann ist eigentlich „Zwischen den Jahren“?

Berlin bereitet sich auf den Jahreswechsel vor. Das Jahr 2011 hat es fast geschafft. Weihnachten ist vorüber, nun gibt es noch ein Silvester zu feiern und das neue Jahr kann beginnen. Wie in jedem Jahr gibt es einiges an Dingen, die ich in der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr, auch „Zwischen den Jahren“ genannt, tun möchte. Kennen Sie das? Da entsteht im Vorfeld dieses Bild von reichlich Zeit und Gleichmaß. „Prima“, denke ich jedes Jahr wieder, „Das mach ich zwischen den Jahren, da ist genügend Zeit, da erledige ich das in aller Ruhe.“

Und da liegen sie nun, die Erledigungsstapel  „Abschluss 2011“. Das ging aber auch wieder schnell vorbei, dieses Jahr! Ich beginne, meinen Schreibtisch zu ordnen. Richtig, auch dort kann ich das Jahr Revue passieren lassen. All die Veranstaltungen liegen in Buchstaben, Dokumenten und Formularen vor mir. Ich lasse mir Zeit, die Zeit zwischen den Jahren, all das Gewesene zu sortieren, Revue passieren zu lassen. Das „Arbeitsjahr 2011“ räume ich auf, damit das Jahr 2012 auch dort geordnet und frisch beginnen kann. Projekte, abgeschlossene und neu angedachte.  Pläne, Konzepte, viele neue Kontakte. Gas- und Stromabrechnungen, Versicherungen, die Ablage. 2011 war ein bewegtes Jahr, und auch in diesem Jahr habe ich mir vorgenommen, all das beschaulich und ohne Hetze zu sortieren. Ganz schön viel. Ich wollte ja vor Silvester auch noch einkaufen und zum Friseur gehen, meine Freundinnen anrufen und mit meinem Mann bei unserem Weinhändler einen schönen Wein für den Neujahrsabend aussuchen.

Noch zwei Tage bis Silvester. Noch ein Tag. Ein halber. Ausgerechnet an dem klingelt nun unablässig das Telefon. Nette und freundliche Anrufer, aber auch solche, die „schnell noch zwischen den Jahren“ etwas von mir brauchen. „Ach, Frau Müller“, sagt meine Steuerberaterin, das schicken Sie doch noch eben, die Kostenaufstellung schieben sie doch zwischen den Jahren noch irgendwo dazwischen, Sie haben doch jetzt Zeit.“ Zeit? Welche Zeit? Offenbar bin ich nicht ganz allein mit dieser Zwischenzeitidee. Ich denke kurz nach und besinne mich auf eine Strategie, die ich den „Benennungs-Konter“ getauft habe.

Statt in irgendeiner Weise auf die wenig hilfreichen Bemerkungen einzugehen, nennen sie das Kind beim Namen!“ (Lizenz zum Kontern, S. 22 ff)

Die Aussage: „Zwischen den Jahren schieben Sie das doch noch irgendwo dazwischen.“

Mein Konter: „ Vielleicht wussten Sie es noch nicht: Es gibt keine Zeit zwischen den Jahren. Zwischen den Jahren ist nichts. Genau genommen gar nichts. Ein Jahr geht, das andere schließt lückenlos auf, und plötzlich ist der Januar da. Ich schicke Ihnen dann gerne alles, was Sie brauchen.“

Und wissen Sie was? Es hat funktioniert. Das neue Jahr kommt ganz gewiss, und dann ist jede Menge Zeit, Dinge zu erledigen. Nun ist es Zeit, das Jahr würdig zu verabschieden. Das sieht übrigens meine Steuerberaterin jetzt, nachdem wir beide sehr über die Zeit „zwischen den Jahren“ gelacht haben, genau so. Auch Ihnen einen wunderbaren Jahresabschluss 2011 und einen gelungenen Start in Ihr Jahr 2012!

Ihre Meike Müller.